Dienstag, Februar 26, 2013

Kietzkommunikation

Hinunter bis zur Greifswalder Strasse, dort fährt die Strassenbahn: ein Hindernislauf.
Vor der Haustür blockieren mehrere Kinderwagen den Zugang zum Fussweg, die potentiellen Insassen taumeln ziellos über das winterglatte Pflaster. Mal zwischen den Beinen der Eltern herum, mal einfach so, nach links- oder rechts, unberechenbar. Alle wohlgestylten Eltern scheinen sich gut zu kennen, allen geht es “Super”, es wird mit aufgesetzter Gestik fabuliert. Die Sprache überdeutlich, die Worte bedeutungsschwer und wissend. Komiker Grillo, Berlusconi und ähnliche italienische Wahlsieger werden in der Berliner Szenestrasse “kommuniziert”. Warum immer wieder auf den Beruf Grillos hingewiesen wird, ist unklar. Schliesslich sollte ein guter Komiker einen besseren Politiker abgeben können, als ein krimineller Entertainer. Korrekt müsste es dann heissen: der Komiker Grillo und der Kriminelle Berlusconi… . Aber es ist immer nur Grillo, dessen Beruf an seinem Namen zu kleben scheint.
Vielleicht ist es der sprichwörtliche Deutsche Neid (der asozialen, eingewanderten Neudeppen vom Prenzlauer Berg) auf einen guten Komiker in der Regierung. Kriminelle hatten wir dort ja schon genug, aber leider nur schlechte Komiker.
Zugestöpselte Hipster stürmen auf Rempelkurs entgegen; halboffene Münder, die den Mimiken einen dämlichen Grundton aufprägt. Alle Augenblicke nuckeln sie an der zur Grundausstattung gehörenden Bierflasche oder irgendeinem “togo- Gesöff”.  Einer gähnt, dass man meint, die Pflastersteine unter ihm zählen zu können.
In der Strassenbahn lehnt ein Mann am Fenster, blickt auf den Verkehr und singt sehr leise. Es ist unglaublich ehrlich, unglaublich beruhigend…

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